Zum Inhalt springen

Leitfaden

Microsoft 365 Copilot sicher einführen: Risiken und Konfiguration

Von Lucas Weber, CyberSec42 · Stand 28.10.2026

CyberSec42

Microsoft 365 Copilot zeigt jeder Person nur Inhalte, die sie ohnehin öffnen darf. Das größte Sicherheitsrisiko liegt deshalb meist nicht in Copilot selbst, sondern in zu weit gefassten Berechtigungen in SharePoint, OneDrive und Teams, die Copilot in Sekunden auffindbar macht. Wer Copilot sicher einführen will, räumt zuerst Berechtigungen auf, klassifiziert vertrauliche Daten mit Vertraulichkeitsbezeichnungen, begrenzt Agenten und Konnektoren und schaltet die Protokollierung ein, bevor die Lizenzen breit verteilt werden.

Kurz gefasst.

Berechtigungen und Oversharing

Copilot sieht, was die Person sehen darf.

Zum Abschnitt

Klassifizierung und Labels

Vertrauliches markieren, Verarbeitung steuern.

Zum Abschnitt

Prompt-Injection über Inhalte

Mails und Dokumente als Angriffsweg.

Zum Abschnitt

Agenten und Konnektoren

Copilot Studio, Anmeldung, Datenabfluss.

Zum Abschnitt

Websuche und Datenschutz

Was den Microsoft-365-Rahmen verlässt.

Zum Abschnitt

Protokollierung und Audit

Nachvollziehen, worauf Copilot zugreift.

Zum Abschnitt

Wie Copilot an Ihre Daten kommt

Microsoft 365 Copilot (von Microsoft inzwischen in „Microsoft Copilot“ umbenannt) verbindet ein Sprachmodell mit den Inhalten, auf die eine Person in Microsoft 365 Zugriff hat: Mails, Chats, Besprechungen, Dateien in SharePoint und OneDrive. Microsoft beschreibt das Prinzip eindeutig: Copilot zeigt nur Organisationsdaten, für die die jeweilige Person mindestens Leserechte hat. Prompts, Antworten und die über Microsoft Graph abgerufenen Daten werden laut Microsoft nicht zum Training der zugrunde liegenden Basismodelle verwendet.

Für die Sicherheitsbewertung heißt das: Copilot vergibt keine neuen Rechte. Er wertet aber vorhandene Rechte so schnell und so gründlich aus wie kein Mensch. Eine Gehaltsliste, die seit Jahren in einer Teams-Ablage mit Freigabe für die ganze Firma liegt, war bisher praktisch unsichtbar. Mit Copilot reicht eine Frage nach „Gehältern im Vertrieb“.

Die Schichten, die über Copilot-Antworten entscheiden

Antwort an die Personwas Copilot zusammenfasst und zitiert · Abschnitt 6
Agenten, Konnektoren, Websuchezusätzliche Datenquellen und Aktionen · Abschnitt 4, 5
Inhalte aus Mails und Dokumentenauch fremde, nicht vertrauenswürdige Texte · Abschnitt 3
Klassifizierung und DLPLabels, Verschlüsselung, Verarbeitungsverbote · Abschnitt 2
Berechtigungen in Microsoft 365SharePoint, OneDrive, Teams, Exchange · Abschnitt 1

Die unterste Schicht entscheidet am meisten. Was dort zu weit offen ist, lässt sich in den oberen Schichten nur abmildern, nicht beheben.

1. Berechtigungen und Oversharing

Oversharing ist der häufigste Grund, warum Copilot-Einführungen ins Stocken geraten. Typische Ursachen sind Freigabelinks für „Personen in Ihrer Organisation“, die Gruppe „Jeder außer externen Benutzern“ auf ganzen Websites, unterbrochene Berechtigungsvererbung in Bibliotheken, Websites ohne Besitzer und alte Projektablagen, die niemand mehr pflegt.

Microsoft empfiehlt in seinem Bereitstellungsleitfaden ein Vorgehen in drei Schritten, das sich auch für kleinere Unternehmen bewährt:

Damit das Problem nicht nachwächst, gehören sichere Voreinstellungen dazu: „Jeder“-Links auf Mandantenebene einschränken oder abschalten, für geschäftskritische Websites eingeschränkte Zugriffssteuerung (Restricted Access Control) schon bei der Anlage setzen und neue Websites nur mit Vertraulichkeitsbezeichnung anlegen lassen.

2. Datenklassifizierung und Vertraulichkeitsbezeichnungen

Berechtigungen regeln, wer eine Datei öffnen darf. Vertraulichkeitsbezeichnungen (Sensitivity Labels) aus Microsoft Purview Information Protection beschreiben zusätzlich, wie vertraulich eine Datei ist, und können sie verschlüsseln. Ist ein Inhalt verschlüsselt, berücksichtigt Copilot laut Microsoft die Nutzungsrechte, die der jeweiligen Person eingeräumt sind.

Für Copilot sind drei Bausteine besonders wirksam:

Eine Einschränkung sollten Sie kennen: Dateien, die jemand direkt in einen Prompt hochlädt, kann DLP laut Microsoft nicht inhaltlich prüfen. Geprüft wird nur der eingetippte Prompt-Text. Das gehört in die Nutzungsrichtlinie und in die Schulung.

3. Prompt-Injection über Dokumente und Mails

Copilot liest nicht nur Ihre eigenen Inhalte, sondern auch Mails von außen, geteilte Dokumente von Partnern und Webinhalte. Darin können Anweisungen versteckt sein, die sich an das Sprachmodell richten statt an den Menschen. Das Prinzip der indirekten Prompt-Injection und die strukturellen Gegenmaßnahmen haben wir im Leitfaden zu Prompt-Injection und Tool-Poisoning ausführlich beschrieben. Hier geht es um das, was im Microsoft-365-Umfeld konkret zählt.

Das BSI hat bereits im Juli 2023 vor indirekten Prompt-Injections als grundsätzlicher Schwachstelle in Anwendungen mit eingebundenen Sprachmodellen gewarnt. Seine Bewertung: Bei Sprachmodellen gibt es keine klare Trennung zwischen Daten und Anweisungen, und eine verlässliche Abhilfe ohne deutliche Funktionseinschränkung ist nicht bekannt.

Dass das Risiko auch Copilot betrifft, zeigt ein öffentlich dokumentierter Fall: CVE-2025-32711, von Microsoft im Juni 2025 als „M365 Copilot Information Disclosure Vulnerability“ veröffentlicht. Microsoft beschreibt sie als KI-Befehlsinjektion, über die ein nicht autorisierter Angreifer Informationen über das Netzwerk offenlegen konnte, und bewertet sie mit CVSS 9,3 (kritisch). Die Entdecker veröffentlichten den Fall unter dem Namen „EchoLeak“ und beschrieben einen Ablauf über eine präparierte E-Mail. Microsoft hat die Lücke laut MSRC vollständig serverseitig behoben, Kunden mussten nichts tun, und laut Advisory gab es keine Hinweise auf eine Ausnutzung.

Für Ihre Einführung folgt daraus nicht, dass Copilot unsicher wäre, sondern dass die Vertrauensgrenze zwischen fremden Inhalten und Ihren Daten bewusst gestaltet werden muss:

4. Copilot Studio, Agenten und Konnektoren

Mit Copilot Studio bauen Fachabteilungen eigene Agenten, die Wissen aus SharePoint, Webseiten oder Datenbanken nutzen und über Konnektoren, REST-APIs oder MCP-Server Aktionen ausführen. Damit wird aus einem Assistenten, der liest, ein System, das handelt. Die grundsätzlichen Risiken handelnder Agenten beschreibt unser Überblick zur KI-Agent-Sicherheit. Für Copilot Studio sind vier Einstellungen entscheidend:

Für Agenten von Drittanbietern in Microsoft 365 Copilot gilt: Im Microsoft 365 Admin Center unter „Integrierte Apps“ sehen Administratoren die angeforderten Berechtigungen, Nutzungsbedingungen und Datenschutzhinweise und entscheiden, welche Agenten im Unternehmen erlaubt sind. Daten, die über Microsoft-Graph-Konnektoren aus anderen Systemen eingebunden werden, erscheinen in Antworten nur, wenn die Person darauf Zugriff hat. Umso wichtiger ist, dass die Berechtigungen im Konnektor die Rechte im Quellsystem korrekt abbilden.

5. Websuche, Datenfluss und Datenschutz

Ist die Websuche aktiv, erzeugt Copilot aus dem Prompt eine kurze Suchanfrage an Bing. Laut Microsoft enthält sie weder den ganzen Prompt (außer bei sehr kurzen Prompts) noch ganze Dokumente oder Kennungen aus Microsoft Entra ID. Für diese generierten Suchanfragen gelten allerdings andere Regeln als für Ihre übrigen Microsoft-365-Daten: Microsoft nennt in seiner Dokumentation, dass das Data Protection Addendum und die EU Data Boundary für sie nicht gelten und Microsoft hierfür als Verantwortlicher handelt.

Daraus ergeben sich drei Entscheidungen, die Sie bewusst treffen sollten:

Für Nutzer in der EU verbleibt der Copilot-Verkehr laut Microsoft innerhalb der EU Data Boundary. Beziehen Sie Ihren Datenschutzbeauftragten trotzdem früh ein: Die Konfiguration von Websuche, Modellen und Aufbewahrung bestimmt, welche Datenflüsse Sie dokumentieren müssen.

6. Protokollierung und Audit

Copilot-Interaktionen werden laut Microsoft automatisch im Rahmen von Audit (Standard) in Microsoft Purview protokolliert, sofern die Überwachung im Mandanten aktiv ist. Die Einträge vom Typ CopilotInteraction zeigen, wer wann in welcher Anwendung mit Copilot gearbeitet hat, und verweisen auf die Dateien, Websites und Mails, auf die Copilot für die Antwort zugegriffen hat, samt deren Vertraulichkeitsbezeichnung. Auch Interaktionen mit eigenen Agenten aus Copilot Studio erscheinen dort.

Die Einführungs-Checkliste

Bewährt hat sich eine Einführung in Phasen: erst eine Pilotgruppe, deren Ablagen Sie gut kennen, dann die Abteilungen, deren Berechtigungen bereinigt sind, zuletzt der Rest. So wächst die Nutzung nicht schneller als die Aufräumarbeit.

BereichMaßnahme
BerechtigungenÜberteilte Websites mit DSPM-Datenrisikobewertung und Content Management Assessment ermittelt
BerechtigungenKritische Websites übergangsweise mit Restricted Content Discovery abgeschirmt
BerechtigungenOrganisationsweite Links und „Jeder außer externen Benutzern“ bereinigt, Besitzer für jede Website festgelegt
Voreinstellungen„Jeder“-Links eingeschränkt, neue Websites nur mit Vertraulichkeitsbezeichnung
KlassifizierungLabel-Schema mit Standard- und automatischer Bezeichnung eingeführt
KlassifizierungDLP-Richtlinie für Copilot: streng vertrauliche Labels von der Verarbeitung ausgenommen
Prompt-InjectionUmgang mit externen Mails entschieden, Nutzungsrichtlinie zum Gegenlesen von Ergebnissen
AgentenDatenrichtlinien in der Power Platform, Anmeldung Pflicht, Bestätigung vor schreibenden Aktionen
AgentenWerkzeuge mit Ersteller-Anmeldedaten inventarisiert und begründet, Drittanbieter-Agenten freigegeben oder gesperrt
DatenflussWebsuche und zugelassene Modelle bewusst konfiguriert, Datenschutzbeauftragten einbezogen
AuditÜberwachung aktiv, Aufbewahrung festgelegt, Auswertung der Copilot-Einträge geplant
EinführungPilotgruppe, Schulung, Ansprechpartner für gemeldete Fehlantworten

Was Konfiguration allein nicht beantwortet

Die Einstellungen aus dieser Checkliste lassen sich in den Admin-Oberflächen prüfen. Ob sie im Zusammenspiel halten, zeigt sich erst im Verhalten: Erreicht eine präparierte Mail einen Agenten, der mit Ersteller-Rechten in ein Fremdsystem schreibt? Gibt ein Konnektor Daten preis, die im Quellsystem nur für wenige sichtbar sind? Liefert Copilot einer Testperson Inhalte aus einer Website, die als abgeschirmt gilt? Solche Fragen beantwortet kein automatischer Scan, weil die Schwachstelle nicht in einer einzelnen Einstellung liegt, sondern im Weg zwischen fremdem Inhalt, Modell und Werkzeug.

Genau dort setzt unsere KI- und MCP-Sicherheitsprüfung an. Wir prüfen Ihre Copilot-Konfiguration, Ihre eigenen Agenten und deren Konnektoren im schriftlich vereinbarten Umfang mit Testkonten in Ihrem Mandanten auf die Angriffe, die ein automatischer Scan nicht findet, und belegen jeden Befund mit einem nachvollziehbaren Proof of Concept. Wer zusätzlich Nachweise für Kundenfragebögen, ISO 42001 oder den EU AI Act braucht, findet das in unserer Compliance-Readiness.

Wie belastbar ist Ihre Copilot-Einführung?

In einem kostenlosen Erstgespräch ordnen wir ein, wo Ihr Mandant steht: Berechtigungen, Klassifizierung, eigene Agenten und Konnektoren. Sie erfahren, welche Punkte Sie selbst abarbeiten können und wo eine Prüfung sinnvoll ist.

Copilot-Check anfragen

CyberSec42 ist eine unabhängige technische Sicherheitsprüfung, keine akkreditierte Zertifizierungsstelle und keine Rechtsberatung. Alle Produktangaben beruhen auf der öffentlichen Microsoft-Dokumentation zum Stand 28.10.2026.

Häufige Fragen

Ist Microsoft 365 Copilot ein Sicherheitsrisiko?

Copilot hält sich an die bestehenden Berechtigungen in Microsoft 365 und vergibt keine neuen Rechte. Das Risiko entsteht vor allem dort, wo Berechtigungen zu weit gefasst sind, wo vertrauliche Daten nicht klassifiziert sind und wo eigene Agenten mit zu viel Rechten arbeiten. Mit bereinigten Berechtigungen, Labels, DLP-Regeln und aktiver Protokollierung lässt sich Copilot kontrolliert einführen.

Kann Copilot Daten sehen, auf die ein Mitarbeiter keinen Zugriff hat?

Nein. Laut Microsoft zeigt Copilot nur Organisationsdaten, für die die jeweilige Person mindestens Leserechte hat. Viele Mitarbeitende haben aber unbemerkt Zugriff auf weit mehr, als sie brauchen, etwa über organisationsweite Freigabelinks. Copilot macht diese Inhalte leicht auffindbar.

Nutzt Microsoft unsere Daten zum Training von Copilot?

Laut Microsoft werden Prompts, Antworten und über Microsoft Graph abgerufene Daten nicht zum Training der Basismodelle verwendet, auch nicht der Modelle, die Copilot nutzt. Davon unabhängig sollten Sie Websuche, zugelassene Modelle und Aufbewahrung bewusst konfigurieren.

Was ist Oversharing bei Copilot?

Oversharing bedeutet, dass Inhalte für mehr Personen freigegeben sind, als es nötig ist, zum Beispiel über Links für die ganze Organisation oder die Gruppe „Jeder außer externen Benutzern“. Vor Copilot fielen solche Freigaben kaum auf. Mit Copilot genügt eine passende Frage, um die Inhalte zu finden.

Reichen Vertraulichkeitsbezeichnungen allein aus?

Nein. Labels wirken nur auf Inhalte, die tatsächlich bezeichnet sind, und ersetzen keine bereinigten Berechtigungen. Wirksam wird die Kombination: aufgeräumte Rechte, Standard- und automatische Bezeichnung und eine DLP-Richtlinie, die festlegt, welche Labels Copilot nicht verarbeiten darf.

Was muss ich bei eigenen Agenten in Copilot Studio beachten?

Agenten sollten eine Anmeldung über Microsoft Entra ID verlangen, Werkzeuge möglichst mit den Rechten der nutzenden Person ausführen und vor schreibenden oder sendenden Aktionen nachfragen. Administratoren legen in den Datenrichtlinien der Power Platform fest, welche Konnektoren und Wissensquellen erlaubt sind.

Weiterlesen

Quellen