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Leitfaden

LLM-Pentest: die Checkliste für KI-Anwendungen vor dem Livegang

Von Lucas Weber, CyberSec42 · Stand 28.10.2026

CyberSec42

Ein LLM-Pentest, oft auch AI Security Assessment genannt, prüft eine KI-Anwendung so, wie ein Angreifer sie angehen würde: nicht nur das Sprachmodell, sondern vor allem alles drumherum, also Prompts, angebundene Daten, Werkzeuge und Agenten, Konnektoren, Identitäten und Protokollierung. Die Checkliste dafür umfasst sieben Bereiche: Eingaben und Prompt-Injection, Datenabfluss und Berechtigungen, Tool- und Agentenrechte, Ausgabebehandlung, Lieferkette, Missbrauch und Kosten sowie Protokollierung. Wer diese Bereiche vor dem Livegang geprüft hat und die Befunde den OWASP-Listen für LLM- und Agenten-Anwendungen zuordnen kann, weiß, wo seine KI-Anwendung tatsächlich steht.

Kurz gefasst.

Scope

Modell oder Anwendung drumherum.

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Checkliste

Sieben Prüfbereiche mit Einzelpunkten.

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OWASP-Zuordnung

LLM Top 10 und Agentic Top 10.

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Web-Pentest vs. KI-Pentest

Was abgedeckt ist und was nicht.

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Der Bericht

Was je Befund drinstehen sollte.

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Vorbereitung

Testkonten, Testdaten, Scope schriftlich.

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Was ein KI-Pentest prüft: das Modell oder die Anwendung?

Die meisten Unternehmen trainieren kein eigenes Modell. Sie binden ein Modell eines Anbieters per API an, geben ihm einen System-Prompt, verbinden es mit eigenen Dokumenten und lassen es Werkzeuge aufrufen. Das Modell selbst können Sie meist nicht ändern. Was Sie in der Hand haben, ist alles, was Sie darum herum gebaut haben. Genau dort setzt ein KI-Pentest an.

Das OWASP GenAI Security Project geht in seiner Top 10 für LLM-Anwendungen davon aus, dass sich ein Modell täuschen lässt. Die Frage ist also nicht, ob jemand das Modell zu einer unerwünschten Antwort bringt, sondern was dann passiert: Welche Daten kann es preisgeben, welche Aktionen auslösen, wohin wandert seine Ausgabe? Ein sinnvoller Scope listet deshalb jede Komponente einzeln auf:

KomponenteWas geprüft wird
ModellWelches Modell in welcher Version, über welchen Anbieter und mit welchen Einstellungen; Verhalten bei Umgehungsversuchen, soweit für die Anwendung relevant
PromptsSystem-Prompt, Vorlagen und verborgener Kontext: Was steht darin, was darf nicht herauskommen, verlässt sich die Anwendung auf Anweisungen statt auf Kontrollen?
RAG-DatenWissensbasis, Vektordatenbank, Dokumentenquellen: Wer darf was abrufen, wer kann Inhalte einspeisen?
Tools und AgentenJede Funktion, die das Modell aufrufen darf, mit ihren Parametern, Rechten und Bestätigungsschritten; Zusammenspiel mehrerer Agenten
KonnektorenAnbindungen an Postfach, Ticketsystem, CRM, Dateiablage oder MCP-Server, über die fremde Inhalte hereinkommen und Aktionen hinausgehen
IdentitätenMit wessen Rechten das Modell handelt: des angemeldeten Nutzers, eines Dienstkontos oder eines geteilten API-Schlüssels
ProtokollierungOb sich ein Vorfall nachvollziehen lässt und ob die Protokolle selbst sensible Daten schützen

Wichtig für die Abgrenzung: Getestet wird Ihre Anwendung in Ihrer Umgebung, mit schriftlicher Beauftragung. Die Infrastruktur des Modellanbieters gehört nicht dazu. Klären Sie vorab in dessen Nutzungsbedingungen, was bei Tests über die API zu beachten ist.

Die Checkliste: sieben Prüfbereiche

Die folgenden Punkte sind nach Angriffsfläche gegliedert, nicht nach OWASP-Nummer. Die Zuordnung zu den OWASP-Kennungen folgt im nächsten Abschnitt.

1. Eingaben und Prompt-Injection

Prompt-Injection bleibt das Kernrisiko: Ein Text, der wie eine Anweisung aussieht, lenkt das Modell um. Die direkte Variante kommt aus dem Chatfeld, die indirekte aus Inhalten, die die Anwendung selbst liest.

Wie man das methodisch und wiederholbar testet, beschreibt unser Beitrag Prompt-Injection testen. Für die MCP-Variante mit vergifteten Werkzeugbeschreibungen siehe Prompt-Injection und Tool-Poisoning bei MCP.

2. Datenabfluss und Berechtigungen

Ein Modell kennt keine Zugriffsrechte. Es gibt aus, was in seinem Kontext steht. Ob Nutzer A die Dokumente von Nutzer B sehen kann, entscheidet deshalb allein die Anwendung, bevor etwas in den Kontext gelangt.

3. Tool- und Agentenrechte

Sobald das Modell handeln darf, wird jede erfolgreiche Manipulation zu einer Aktion. Hier liegt bei Agenten in der Regel der größte Schaden. Die Grundlagen beschreibt unser Überblick zur KI-Agent-Sicherheit.

4. Ausgabebehandlung

Die Ausgabe eines Modells ist eine Eingabe aus unsicherer Quelle. Wird sie ungeprüft weiterverarbeitet, entstehen klassische Schwachstellen auf neuem Weg.

5. Lieferkette, Modelle und Plugins

6. Missbrauch und Kosten

OWASP führt unbegrenzten Ressourcenverbrauch als eigenes Risiko (Unbounded Consumption). Bei nutzungsabhängig abgerechneten Modellen bedeutet das: Wer die Anwendung missbraucht, verursacht nicht nur Last, sondern direkt Kosten.

7. Protokollierung und Nachvollziehbarkeit

Zuordnung zu OWASP LLM Top 10 und Agentic Top 10

Zwei Listen des OWASP GenAI Security Project bilden den gängigen Ordnungsrahmen: die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen in der Fassung 2026 und die OWASP Top 10 für Agentic Applications für 2026. Die erste betrachtet das Modell als Baustein der Anwendung, die zweite den Agenten, der plant, handelt und sich erinnert. Die Tabelle zeigt, welche Einträge die sieben Prüfbereiche schwerpunktmäßig abdecken. Die Erklärung jedes Eintrags finden Sie in den verlinkten Leitfäden.

PrüfbereichOWASP LLM Top 10 (2026)OWASP Agentic Top 10
Eingaben und Prompt-InjectionLLM01:2026 Prompt InjectionASI01 Agent Goal Hijack
Datenabfluss und BerechtigungenLLM02:2026 Sensitive Information Disclosure, LLM08:2026 Hidden Context Exposure, LLM09:2026 Vector and Embedding WeaknessesASI06 Memory & Context Poisoning
Tool- und AgentenrechteLLM03:2026 Excessive AgencyASI02 Tool Misuse and Exploitation, ASI03 Identity and Privilege Abuse, ASI07 Insecure Inter-Agent Communication, ASI09 Human-Agent Trust Exploitation
AusgabebehandlungLLM10:2026 Improper Output HandlingASI05 Unexpected Code Execution
Lieferkette, Modelle, PluginsLLM04:2026 Supply Chain, LLM05:2026 Data and Model PoisoningASI04 Agentic Supply Chain Vulnerabilities
Missbrauch und KostenLLM06:2026 Unbounded ConsumptionASI08 Cascading Failures, soweit sich Fehler über Agentenketten fortpflanzen
ProtokollierungQuerschnittsthema ohne eigenen EintragVoraussetzung, um ASI10 Rogue Agents überhaupt zu erkennen

Ein Eintrag fehlt bewusst in der Checkliste: LLM07:2026 Misinformation. Ob ein Modell fachlich falsche Antworten gibt, ist eher eine Frage der Qualitätssicherung als eines Angriffs. Relevant für den Pentest wird es dort, wo sich Nutzer oder nachgelagerte Systeme ungeprüft auf Ausgaben verlassen.

Wer zusätzlich einen Rahmen für das Risikomanagement sucht: Das US-amerikanische NIST hat im Juli 2024 das Generative AI Profile veröffentlicht (NIST AI 600-1), ein Begleitdokument zum AI Risk Management Framework (AI RMF 1.0). Es führt Informationssicherheit als eigenes Risiko generativer KI und nennt dabei ausdrücklich Prompt-Injection und Data Poisoning. Als Maßnahmen beschreibt es unter anderem Red-Teaming und unabhängige externe Bewertungen. Das Dokument ist freiwillig anwendbar und ersetzt keinen Test, hilft aber, die Ergebnisse in ein Risikomanagement einzuordnen.

Was ein klassischer Web-Pentest abdeckt und was nicht

Eine KI-Anwendung ist zuerst eine Web-Anwendung mit API. Login, Sitzungsverwaltung, Objektberechtigungen und Schnittstellen müssen genauso geprüft werden wie bei jeder anderen Anwendung, etwa nach unserer API-Pentest-Checkliste. Was ein klassischer Test aber nicht abbildet, ist das Verhalten des Modells als Teil der Anwendung.

PrüfgegenstandKlassischer Web-/API-PentestKI-Pentest
Authentifizierung, Sitzungen, Objektrechte der APIJa, KernbestandteilWird vorausgesetzt oder mitgeprüft
Injection in SQL, Shell, HTMLJa, über direkte EingabenZusätzlich über Modellausgaben als Zwischenschritt
Umsteuerung des Modells durch Text in Eingaben und DokumentenNeinJa
Rechte und Bestätigungen von WerkzeugaufrufenNur soweit als API-Endpunkt sichtbarJa, aus Sicht des Modells als Aufrufer
Rechtefilter in RAG und VektordatenbankSeltenJa
Herauslocken von System-Prompt und verborgenem KontextNeinJa
Kosten- und SchleifenmissbrauchTeilweise als RatenbegrenzungJa, inklusive Token- und Agentengrenzen

Ein methodischer Unterschied kommt hinzu: Modelle antworten nicht immer gleich. Ein Angriff, der beim ersten Versuch scheitert, kann beim fünften gelingen. Ein KI-Pentest wiederholt Angriffe deshalb mehrfach und dokumentiert, wie zuverlässig ein Befund auftritt. Wie ein Pentest grundsätzlich abläuft, beschreibt Penetrationstest: Ablauf, Dauer und Kosten.

Was im Bericht stehen sollte

Ein Bericht über einen KI-Pentest muss für die Geschäftsführung lesbar und für das Entwicklungsteam umsetzbar sein. Achten Sie auf diese Bestandteile:

Wie ein solcher Bericht konkret aussieht, zeigt unser Musterbericht zu einer geprüften MCP-Anbindung.

So bereiten Sie Ihr Team vor

Je besser die Vorbereitung, desto mehr Prüfzeit fließt in echte Angriffswege statt in Zugangsfragen.

Soll Ihre KI-Anwendung vor dem Livegang geprüft werden?

Wir prüfen KI-Anwendungen, Agenten und MCP-Anbindungen im schriftlich vereinbarten Umfang: Eingaben und Prompt-Injection, Datenabfluss über RAG und Kontext, Rechte von Werkzeugen und Agenten, Ausgabebehandlung und Kostenmissbrauch, dazu die Web-Anwendung und API darum herum. Jeder Befund kommt mit nachvollziehbarem Nachweis, Zuordnung zu den OWASP-Kennungen und einem konkreten Korrekturvorschlag. Mehr dazu unter KI-Pentest und MCP-Sicherheit.

KI-Pentest anfragen

CyberSec42 ist eine unabhängige technische Sicherheitsprüfung, keine akkreditierte Zertifizierungsstelle und keine Rechtsberatung. CyberSec42 steht in keiner Verbindung zur OWASP Foundation oder zu NIST.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen LLM-Pentest und AI Security Assessment?

Die Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet. Ein Pentest betont den aktiven Angriff mit Nachweis je Befund. Ein Assessment kann zusätzlich Architektur, Konfiguration und Prozesse bewerten. Entscheidend ist nicht der Name, sondern dass der Scope die Anwendung rund um das Modell umfasst.

Muss das Sprachmodell selbst getestet werden?

Bei einem zugekauften Modell meist nicht isoliert. Getestet wird, wie sich das Modell in Ihrer Anwendung verhält, mit Ihrem System-Prompt, Ihren Daten und Ihren Werkzeugen. Die Infrastruktur des Modellanbieters gehört nicht zum Scope.

Reicht ein normaler Web-Pentest für eine KI-Anwendung?

Nein. Er prüft Login, Sitzungen und API, bleibt aber nötig. Ob sich das Modell über ein Dokument umsteuern lässt, ob die Wissensbasis Rechte beachtet und was Werkzeuge im Ernstfall tun, deckt nur ein Test ab, der das Modell als Teil der Anwendung angreift.

Welche OWASP-Liste ist für meine Anwendung maßgeblich?

Für jede Anwendung mit Sprachmodell die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen 2026. Sobald das Modell selbstständig Werkzeuge aufruft, plant oder ein Gedächtnis hat, zusätzlich die OWASP Top 10 für Agentic Applications. Bei MCP-Anbindungen kommt die OWASP MCP Top 10 hinzu.

Wann sollte der KI-Pentest stattfinden?

Vor dem Livegang, sobald Funktionsumfang, Werkzeuge und Datenquellen feststehen. Danach erneut bei wesentlichen Änderungen, etwa einem neuen Werkzeug, einer neuen Datenquelle oder einem Modellwechsel.

Lassen sich Befunde bei KI-Anwendungen überhaupt reproduzieren?

Ja, aber nicht immer beim ersten Versuch. Ein guter Bericht nennt deshalb die verwendeten Eingaben im Wortlaut und wie oft der Angriff bei mehreren Wiederholungen gelang. Ein Angriff, der nur gelegentlich klappt, bleibt ein Befund.

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Quellen