Leitfaden
Website-Sicherheit prüfen: Schritt für Schritt selbst testen
Website-Sicherheit prüfen können Sie als Inhaber eines kleinen Betriebs zu einem guten Teil selbst, mit dem Browser und einigen kostenlosen Werkzeugen: Verschlüsselung und Zertifikat, Security-Header, veraltete Software, offene Admin-Logins, den Malware- und Blacklist-Status, öffentlich abrufbare Dateien, Formulare und die Absender-Einstellungen Ihrer E-Mails. Diese Anleitung zeigt je Punkt, wie Sie prüfen, was das Ergebnis bedeutet und was Sie tun, wenn etwas auffällt. Was kein automatischer Test findet, sind Fehler in der Logik und in den Zugriffsrechten Ihrer Seite. Dafür braucht es eine Prüfung durch einen Menschen.
- Acht Prüfungen schaffen Sie ohne Fachwissen in etwa einer Stunde. Die Werkzeuge lesen nur, was Ihre Seite ohnehin öffentlich ausliefert, und greifen nichts an.
- Eine gute Note ist ein gutes Zeichen für die Grundeinstellungen, kein Beweis für Sicherheit. Mozilla schreibt das über sein eigenes Prüfwerkzeug ausdrücklich.
- Die gefährlichsten Funde sind oft unscheinbar: eine Sicherungsdatei, eine
.env-Datei oder ein.git-Ordner, die jeder herunterladen kann. - Hat Ihre Seite einen Shop, ein Kundenkonto oder ein Buchungssystem, reicht der Selbsttest nicht. Ob ein Kunde fremde Daten sehen kann, erkennt nur, wer es gezielt ausprobiert.
HTTPS und Zertifikat
SSL-Labs-Test lesen und verstehen.
Zum AbschnittSecurity-Header
Mit dem Mozilla HTTP Observatory messen.
Zum AbschnittVeraltete Software
CMS, Plugins, Themes und PHP.
Zum AbschnittAdmin-Logins
Wer die Anmeldeseite erreicht.
Zum AbschnittMalware und Blacklist
Safe Browsing und Search Console.
Zum AbschnittOffene Dateien
Backups, .git und .env aufspüren.
Zum AbschnittFormulare und Spam
Was Ihr Kontaktformular annimmt.
Zum AbschnittE-Mail-Absender
SPF, DKIM und DMARC kurz geprüft.
Zum AbschnittBevor Sie anfangen
Prüfen Sie nur Ihre eigene Website oder eine Seite, für deren Prüfung Sie eine Erlaubnis haben. Alle Werkzeuge in dieser Anleitung rufen Ihre Seite so auf, wie es ein Besucher tut, und lesen aus, was sie öffentlich zeigt. Das ist für die eigene Seite unproblematisch.
Legen Sie sich eine einfache Liste an: Prüfpunkt, Ergebnis, Datum, offene Frage. Was Sie nicht selbst beantworten können, geht als Frage an Ihren Hoster, Ihre Agentur oder Ihren Baukasten-Anbieter. Wie Sie die Grundlagen absichern, also Zugänge, Zwei-Faktor-Anmeldung, Backups und Verträge, beschreibt unser Beitrag Website-Sicherheit für kleine Unternehmen. Hier geht es um das Messen: Was sieht ein Fremder, wenn er Ihre Seite von außen untersucht?
1. HTTPS und Zertifikat prüfen
Das Zertifikat ist der digitale Ausweis Ihrer Seite. Es sorgt dafür, dass Eingaben wie Name, E-Mail-Adresse oder Passwort verschlüsselt übertragen werden. Dass im Browser ein Schloss erscheint, ist der erste Schritt. Wie gut die Verschlüsselung eingerichtet ist, zeigt ein genauerer Test.
So prüfen Sie
- Öffnen Sie den kostenlosen SSL Server Test von Qualys SSL Labs und geben Sie Ihre Domain ein. Setzen Sie vorher das Häkchen bei „Do not show the results on the boards“, wenn Ihr Ergebnis nicht in den öffentlichen Listen des Dienstes erscheinen soll.
- Tippen Sie Ihre Adresse zusätzlich einmal mit
http://ein. Sie sollten automatisch auf diehttps://-Fassung umgeleitet werden.
So lesen Sie das Ergebnis
| Ergebnis | Bedeutung | Was tun? |
|---|---|---|
| A oder A+ | Die Verschlüsselung ist nach heutigem Stand sauber eingerichtet. | Nichts, Test einmal im Quartal wiederholen. |
| B oder C | Meist sind alte Protokolle oder schwache Verfahren noch eingeschaltet. | Hoster bitten, veraltete Protokolle abzuschalten. |
| T | Das Zertifikat wird nicht als vertrauenswürdig erkannt, etwa weil es abgelaufen, selbst ausgestellt oder unvollständig eingebunden ist. | Sofort klären, Besucher sehen meist eine Warnung. |
| F | Schwere Mängel in der Einrichtung. | Sofort an Hoster oder Dienstleister geben. |
Achten Sie im Bericht auf zwei Angaben. Erstens das Ablaufdatum des Zertifikats und die Frage, ob es sich automatisch verlängert. Zweitens die Protokolle: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt in seiner Technischen Richtlinie TR-02102-2 (Fassung 2026-01) vorrangig TLS 1.3, TLS 1.2 nur noch bis Ende 2031 und TLS 1.0 und 1.1 gar nicht mehr. Die beiden alten Versionen hat die Internet Engineering Task Force mit RFC 8996 auch formal für veraltet erklärt. Stehen sie im Bericht noch auf „Yes“, ist das eine konkrete Frage an Ihren Hoster.
Bei Baukästen wie Wix, Jimdo oder Shopify richtet der Anbieter die Verschlüsselung ein. Eine Note unter A ist dort kein Grund zur Sorge, denn Sie können sie ohnehin nicht ändern.
2. Security-Header messen
Security-Header sind kurze Anweisungen, die Ihre Seite bei jedem Aufruf an den Browser mitschickt, etwa „lade diese Seite nur verschlüsselt“ oder „lass dich nicht in fremde Seiten einbetten“. Sie schützen Besucher vor einigen verbreiteten Angriffen, zum Beispiel vor eingeschleusten Skripten oder vor Seiten, die Ihre Seite unsichtbar überlagern.
So prüfen Sie
Geben Sie Ihre Domain in das kostenlose HTTP Observatory von Mozilla ein. Es vergibt eine Note von A+ bis F, ausgehend von 100 Punkten, und zeigt je Test, was fehlt. Laut Mozilla lässt sich eine Seite höchstens einmal pro Minute neu prüfen.
Ein Beispiel vom eigenen Haus: Für www.cybersec42.com meldete das Observatory am 28.10.2026 die Note A+ mit 110 Punkten, 12 von 12 Tests bestanden. Eine zweite Messung per direktem Abruf der Seite bestätigt die Header, die dahinterstehen:
strict-transport-security: max-age=63072000; includeSubDomains; preload
content-security-policy: default-src 'self'; script-src 'self' 'sha256-…' …
x-content-type-options: nosniff
x-frame-options: DENY
referrer-policy: strict-origin-when-cross-origin
permissions-policy: geolocation=(), microphone=(), camera=(), …
So lesen Sie das Ergebnis
Fehlen Header, ist das eine Aufgabe für Ihren Dienstleister, kein Notfall. Wie die einzelnen Header wirken und wie man sie für Apache, nginx, Netlify oder Vercel einrichtet, steht in unserem Beitrag Content Security Policy und Security-Header. Wichtig ist die Grenze des Werkzeugs: Mozilla schreibt in seinen häufigen Fragen selbst, dass auch ein A+ nicht bedeutet, dass eine Seite sicher ist. Veraltete Software, verwundbare Plugins, SQL-Injection oder der Umgang mit Passwörtern werden nicht geprüft.
3. Veraltete CMS- und Plugin-Versionen finden
Ein Content-Management-System (CMS) ist die Software, mit der Sie Ihre Seite pflegen, zum Beispiel WordPress, Joomla oder TYPO3. Plugins und Themes sind Erweiterungen dafür. Für viele bekannte Lücken in solcher Software gibt es längst ein Update. Angriffsprogramme suchen gezielt nach Seiten, auf denen es fehlt.
So prüfen Sie bei WordPress
- Öffnen Sie im Verwaltungsbereich Werkzeuge → Website-Zustand. WordPress zeigt dort unter „Status“ kritische Probleme an, darunter wartende Plugin-Updates, eine veraltete PHP-Version oder eingeschaltete Fehlerausgaben, und unter „Info“ die Versionen von WordPress, Theme und allen Plugins (WordPress-Dokumentation).
- Sehen Sie unter Dashboard → Aktualisierungen nach, ob Updates warten, und unter Plugins, ob deaktivierte Plugins herumliegen. Was Sie nicht nutzen, löschen Sie, statt es nur zu deaktivieren.
- Prüfen Sie bei jedem Plugin auf seiner Seite im WordPress-Verzeichnis, wann es zuletzt aktualisiert wurde. Ein Plugin, das seit Jahren keine Pflege mehr bekommt, bekommt auch keine Sicherheitsupdates mehr.
Bei anderen Systemen
Bei Baukästen aktualisiert der Anbieter das System selbst. Ihre Aufgabe sind installierte Apps und Erweiterungen von Drittanbietern. Betreut eine Agentur Ihre Seite, bitten Sie um eine Liste aller eingesetzten Komponenten mit Versionsnummer und Datum des letzten Updates. Wenn diese Liste niemand liefern kann, haben Sie Ihren wichtigsten Befund schon gefunden. Wie Sie WordPress dauerhaft aktuell halten, beschreibt unser WordPress-Leitfaden.
4. Offene Admin-Logins
Die Anmeldeseite Ihres Verwaltungsbereichs ist die Tür mit dem größten Schlüsselbund. Bei WordPress liegt sie standardmäßig unter /wp-admin/, bei Joomla unter /administrator/. Der Prüfleitfaden der OWASP, einer gemeinnützigen Organisation für Anwendungssicherheit, führt solche Pfade ausdrücklich als typische Ziele auf, weil Verwaltungsoberflächen oft nicht ausreichend vor fremdem Zugriff geschützt sind (OWASP WSTG).
So prüfen Sie
- Rufen Sie die Anmeldeseite in einem privaten Browserfenster auf, am besten auch einmal über das Mobilfunknetz statt über Ihr Büro-WLAN. Ist sie von überall erreichbar, ist das bei vielen Seiten normal. Dann muss die Anmeldung selbst stark geschützt sein.
- Ist für jedes Konto mit Verwaltungsrechten eine Zwei-Faktor-Anmeldung eingeschaltet?
- Gibt es weitere Verwaltungsoberflächen, etwa eine Datenbankverwaltung wie phpMyAdmin unter Ihrer Domain? Die gehört nicht ins offene Netz. Fragen Sie Ihren Hoster, wo sie erreichbar ist.
- Fragen Sie Ihren Dienstleister, ob wiederholte Fehlversuche bei der Anmeldung gebremst oder gesperrt werden. Probieren Sie das nicht selbst mit vielen Versuchen aus, sonst sperren Sie womöglich Ihr eigenes Konto.
Ein gutes Ergebnis: Nur bekannte Personen haben Verwaltungsrechte, alle mit zweitem Faktor, und Datenbank- oder Server-Verwaltung ist nicht öffentlich erreichbar.
5. Malware- und Blacklist-Status prüfen
Wird auf Ihrer Seite Schadsoftware oder eine Betrugsseite gefunden, setzt Google sie auf eine Sperrliste. Browser zeigen Besuchern dann eine Warnung, bevor sie die Seite öffnen. Das merken Sie oft zuletzt, weil Ihr eigener Browser die Seite aus dem Speicher lädt.
So prüfen Sie
- Google Safe Browsing Site Status: Im Transparenzbericht von Google geben Sie Ihre Domain ein und sehen, ob Google sie derzeit als gefährlich einstuft. Safe Browsing erkennt nach Googles Entwicklerdokumentation Phishing- und Täuschungsseiten sowie Seiten, die Malware oder unerwünschte Software verbreiten. Gewünscht ist ein Ergebnis ohne Hinweis auf unsichere Inhalte.
- Google Search Console: Der Bericht „Sicherheitsprobleme“ meldet gehackte Inhalte, Malware und unerwünschte Software sowie Social Engineering, also Inhalte, die Besucher zu riskanten Handlungen verleiten sollen (Search-Console-Hilfe). Dafür brauchen Sie einen eigenen Zugang zur Search Console.
- Suche nach fremden Inhalten: Geben Sie bei Google
site:ihre-domain.deein und blättern Sie durch die Treffer. Seiten in fremder Sprache, Arzneimittel- oder Glücksspielwerbung, die Sie nie angelegt haben, sind ein Warnzeichen.
So lesen Sie das Ergebnis
Ein sauberes Ergebnis heißt nur, dass Google derzeit nichts gemeldet hat. Manche Schadsoftware zeigt sich nur bestimmten Besuchern, etwa nur Smartphones oder nur Besuchern, die über die Suche kommen. Steht Ihre Seite auf der Liste oder finden Sie fremde Inhalte, behandeln Sie das als Einbruch und folgen Sie unserem Beitrag Website gehackt: was tun?. Dort steht auch, wie Sie nach der Bereinigung eine Überprüfung bei Google beantragen.
6. Öffentlich auffindbare Dateien: Backups, .git, .env
Einer der folgenreichsten Fehler ist zugleich einer der einfachsten: Eine Datei liegt im öffentlichen Bereich des Servers, die dort nicht hingehört. Wer die Adresse errät, lädt sie herunter. Der Prüfleitfaden der OWASP nennt dafür drei Gruppen, die grundsätzlich nie öffentlich ausgeliefert werden sollten (OWASP WSTG):
- Sicherungskopien und Archive wie
.zip,.tar.gz,.bakoder.old. Ein vollständiges Backup enthält oft die ganze Seite samt Datenbank, also auch Kundendaten und Passwort-Hashes. - Konfigurationsdateien wie
.env. Darin stehen häufig Zugangsdaten für Datenbank, Mailserver oder Zahlungsdienste im Klartext. - Der Ordner
.git, den das Versionswerkzeug Git anlegt. Ist er erreichbar, lässt sich daraus oft der gesamte Quellcode samt früherer Stände rekonstruieren, auch Passwörter, die irgendwann einmal eingetragen und später wieder gelöscht wurden.
Auch WordPress warnt im Website-Zustand, wenn Fehlermeldungen in eine Protokolldatei geschrieben werden, die möglicherweise öffentlich abrufbar ist.
So prüfen Sie
Hängen Sie in einem privaten Browserfenster diese Pfade an Ihre Domain an und sehen Sie sich an, was zurückkommt:
https://ihre-domain.de/.git/HEAD
https://ihre-domain.de/.env
https://ihre-domain.de/backup.zip
https://ihre-domain.de/wp-content/debug.log
So lesen Sie das Ergebnis
- Gut: eine Fehlerseite „nicht gefunden“ oder „Zugriff verweigert“. Für
www.cybersec42.comliefern/.git/HEADund/.envzum Beispiel einen Fehler 404. - Vorsicht: Manche Server zeigen bei unbekannten Adressen einfach Ihre Startseite. Entscheidend ist der Inhalt, nicht die Frage, ob „etwas lädt“.
- Sofort handeln: Sie sehen eine Zeile wie
ref: refs/heads/main, Zugangsdaten oder ein Download startet. Lassen Sie die Datei entfernen und betrachten Sie alle Passwörter und Schlüssel darin als bekannt: Sie müssen ersetzt werden, nicht nur die Datei gelöscht.
Ein unauffälliges Ergebnis ist hier besonders wenig wert. Sie haben vier naheliegende Namen geprüft, eine vergessene Datei heißt aber vielleicht seite-alt-2023.zip. Fragen Sie deshalb zusätzlich Ihren Dienstleister, ob im Webverzeichnis Sicherungen, Exporte oder Kopien liegen, und lassen Sie sie an einen Ort außerhalb des öffentlichen Bereichs verschieben.
7. Formulare und Spam
Ihr Kontaktformular ist die Stelle, an der Fremde Daten auf Ihren Server schicken. Spam ist dabei das sichtbare Problem. Wichtiger ist, was das Formular annimmt und wohin die Daten gehen.
- Selbst ausfüllen: Senden Sie eine Testnachricht. Kommt sie an? Wird sie zusätzlich in der Website gespeichert, und wer kann sie dort lesen?
- Uploads: Erlaubt das Formular Datei-Anhänge? Dann sollte es nur bestimmte Dateiarten annehmen, etwa PDF, und hochgeladene Dateien dürfen nicht öffentlich abrufbar sein.
- Kopie an den Absender: Schickt das Formular eine Kopie an die eingetragene Adresse, lässt es sich missbrauchen, um über Ihren Server Nachrichten an beliebige Empfänger zu senden. Prüfen Sie, ob diese Funktion nötig ist.
- Spam-Schutz: Gibt es einen Schutz gegen automatische Einsendungen? Wenn Ihr Postfach mit Spam aus dem Formular voll ist, fehlt er oder greift nicht.
Was Sie von außen nicht sehen: ob der Server die Eingaben selbst noch einmal prüft oder sich auf die Prüfung im Browser verlässt. Dieser Unterschied ist ein klassischer Ansatzpunkt für Angriffe und gehört zu den Dingen, die erst eine manuelle Prüfung zeigt.
8. E-Mail-Absender: SPF, DKIM und DMARC kurz geprüft
Diese drei Einträge im Namenssystem Ihrer Domain (DNS) legen fest, wer E-Mails in Ihrem Namen versenden darf. Fehlen sie, können Betrüger leichter Nachrichten verschicken, die scheinbar von Ihrer Adresse kommen, etwa gefälschte Rechnungen an Ihre Kunden.
| Eintrag | Was er regelt |
|---|---|
| SPF | Welche Server Mails für Ihre Domain versenden dürfen. |
| DKIM | Eine digitale Signatur, die zeigt, dass die Mail unterwegs nicht verändert wurde. |
| DMARC | Was der Empfänger mit Mails tun soll, die die Prüfung nicht bestehen, und wohin er Berichte schickt. Der Eintrag liegt unter _dmarc.ihre-domain.de. |
So prüfen Sie
- Schicken Sie sich von Ihrer Firmenadresse eine Mail an ein Gmail-Postfach. Öffnen Sie sie im Browser, klicken Sie auf die drei Punkte neben „Antworten“ und dann auf „Original anzeigen“ (Gmail-Hilfe). Oben steht eine Übersicht mit SPF, DKIM und DMARC. Gut ist, wenn dort jeweils PASS steht.
- Fehlt einer der drei Einträge, fragen Sie Ihren E-Mail- oder Domain-Anbieter.
DMARC kennt laut Standard RFC 7489 drei Stufen: p=none (nur beobachten und Berichte sammeln), p=quarantine (verdächtige Mails etwa im Spam-Ordner ablegen) und p=reject (abweisen). Üblich ist, mit none zu beginnen, die Berichte zu lesen und erst dann zu verschärfen. Google verlangt seit dem 1. Februar 2024 von allen Absendern an Gmail mindestens SPF oder DKIM, von Absendern mit mehr als 5.000 Mails pro Tag SPF, DKIM und DMARC (Google-Richtlinien für E-Mail-Absender). Für die Zustellbarkeit Ihrer Mails lohnt sich die Einrichtung also doppelt.
Website auf Sicherheitslücken prüfen: wo Werkzeuge aufhören
Die acht Prüfungen oben zeigen, wie Ihre Seite von außen eingerichtet ist. Automatische Werkzeuge, auch kostenpflichtige Online-Scanner, vergleichen das Gesehene mit bekannten Mustern. Was sie grundsätzlich nicht beurteilen können, ist die Frage, ob Ihre Seite das tut, was sie tun soll, und nur das:
- Zugriffsrechte: Sieht ein angemeldeter Kunde nur seine eigenen Bestellungen, Termine oder Rechnungen? Oder reicht es, in der Adresszeile eine Nummer zu ändern, um die eines anderen Kunden zu sehen? Ein Scanner kennt Ihre Kunden nicht und kann den Unterschied nicht erkennen.
- Logikfehler: Lässt sich ein Gutschein mehrfach einlösen, ein Preis im Warenkorb verändern, ein Bestellschritt überspringen oder ein Passwort über die „Passwort vergessen“-Funktion fremd zurücksetzen? Technisch ist dabei alles in Ordnung, nur die Regel stimmt nicht.
- Eigene Funktionen: Rechner, Konfiguratoren, Schnittstellen zur Warenwirtschaft oder zum Kalender. Für eigens programmierten Code gibt es keine bekannte Lücke in einer Datenbank, also auch keinen Treffer im Scanner.
- Was hinter der Anmeldung liegt: Die meisten Online-Werkzeuge sehen nur die öffentlichen Seiten. Kundenbereich, Verwaltung und Schnittstellen bleiben ungeprüft.
Deshalb gilt: Für eine reine Informationsseite mit Kontaktformular reichen die acht Prüfungen, regelmäßig wiederholt. Sobald Ihre Seite einen Shop, ein Kundenkonto, ein Buchungssystem oder eigene Funktionen hat, lohnt sich eine manuelle Prüfung, bei der ein Mensch die Seite mit mehreren Testkonten so durchgeht, wie es ein Angreifer täte. Was dabei passiert, erklärt unser Beitrag Penetrationstest: Ablauf, Dauer und Kosten. Wer zuerst einen breiten Überblick möchte, findet den Unterschied zur Schwachstellenanalyse dort erklärt.
Website-Sicherheit prüfen: die Checkliste
| Prüfung | Werkzeug | Gut, wenn … |
|---|---|---|
| HTTPS und Zertifikat | SSL Labs, Browser | Note A oder A+, http leitet auf https um, Zertifikat verlängert sich automatisch, kein TLS 1.0/1.1 |
| Security-Header | Mozilla HTTP Observatory | Keine fehlgeschlagenen Tests, die Ihr Dienstleister beheben kann |
| Software | WordPress-Website-Zustand, Liste der Agentur | Keine offenen Updates, keine verwaisten Plugins, aktuelle PHP-Version |
| Admin-Logins | Privates Browserfenster | Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Admins, keine offene Datenbankverwaltung |
| Malware und Blacklist | Safe Browsing Site Status, Search Console | Keine unsicheren Inhalte, keine Einträge unter „Sicherheitsprobleme“, keine fremden Seiten im Index |
| Offene Dateien | Browser, Rückfrage beim Dienstleister | Fehlerseite statt Inhalt, keine Backups im Webverzeichnis |
| Formulare | Eigene Testnachricht | Nur nötige Felder, eingeschränkte Uploads, Spam-Schutz aktiv |
| E-Mail-Absender | Gmail „Original anzeigen“ | SPF, DKIM und DMARC jeweils PASS |
Wiederholen Sie die Liste einmal im Quartal und nach jeder größeren Änderung an der Seite, etwa nach einem neuen Plugin oder einem Wechsel des Dienstleisters. Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt für Systeme mit personenbezogenen Daten ohnehin ein Verfahren zur regelmäßigen Überprüfung der Schutzmaßnahmen (Art. 32 Abs. 1 lit. d DSGVO). Was das für Ihren Betrieb konkret bedeutet, ist eine Rechtsfrage. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Shop, Kundenkonto oder eigene Funktionen?
Dann prüfen wir Ihre Website von Hand, im schriftlich vereinbarten Umfang: Zugriffsrechte mit mehreren Testkonten, Bestell- und Anmeldeabläufe, Formulare und Uploads, öffentlich erreichbare Dateien und Verwaltungszugänge. Jeder Befund kommt mit einem nachvollziehbaren Nachweis und einer verständlichen Empfehlung, was zu tun ist. Ein eigenes Online-Prüfwerkzeug bieten wir nicht an. Mehr zum Vorgehen unter Penetrationstest.
Website-Sicherheitscheck anfragenJede Prüfung erfolgt ausschließlich mit schriftlicher Beauftragung im vereinbarten Umfang. CyberSec42 ist eine unabhängige technische Sicherheitsprüfung, keine akkreditierte Zertifizierungsstelle und keine Rechtsberatung. CyberSec42 steht in keiner Verbindung zu den genannten Werkzeug-Anbietern.
Häufige Fragen
Wie kann ich die Sicherheit meiner Website online prüfen?
Mit kostenlosen Werkzeugen, die nur lesen, was Ihre Seite öffentlich ausliefert: dem SSL Server Test von Qualys SSL Labs für die Verschlüsselung, dem HTTP Observatory von Mozilla für die Security-Header und dem Safe Browsing Site Status von Google für den Blacklist-Status. Ergänzen Sie das um die Prüfungen im Browser aus dieser Anleitung, etwa auf offene Dateien und Admin-Logins.
Ist meine Website sicher, wenn alle Tests grün sind?
Nein. Gute Noten zeigen, dass die Grundeinstellungen stimmen. Fehler in Zugriffsrechten und in der Logik Ihrer Seite, etwa ob ein Kunde fremde Bestellungen sehen kann, findet kein automatischer Test. Mozilla weist selbst darauf hin, dass auch die Bestnote im Observatory keine Sicherheit garantiert.
Wie scanne ich meine Website auf Malware?
Prüfen Sie Ihre Domain im Safe Browsing Site Status von Google, sehen Sie in der Google Search Console unter „Sicherheitsprobleme“ nach und suchen Sie mit site:ihre-domain.de nach Seiten, die Sie nicht angelegt haben. Ein unauffälliges Ergebnis schließt Schadsoftware nicht sicher aus, weil sie sich manchmal nur bestimmten Besuchern zeigt.
Darf ich fremde Websites mit diesen Werkzeugen prüfen?
Prüfen Sie nur Ihre eigene Website oder eine, für die Sie eine Erlaubnis haben. Das gilt besonders für das Aufrufen gezielter Pfade wie /.env oder /.git/. Eine Sicherheitsprüfung fremder Systeme gehört in einen schriftlichen Auftrag.
Wie oft sollte ich die Sicherheit meiner Website prüfen?
Einmal im Quartal ist ein guter Rhythmus, zusätzlich nach größeren Änderungen wie neuen Plugins, einem Theme-Wechsel, einem Umzug zu einem anderen Hoster oder einem Wechsel des Dienstleisters.
Was tue ich, wenn ich eine .env-Datei oder ein Backup öffentlich finde?
Lassen Sie die Datei sofort aus dem öffentlichen Bereich entfernen und ersetzen Sie alle Passwörter und Schlüssel, die darin standen. Sie müssen davon ausgehen, dass jemand die Datei bereits heruntergeladen hat. Enthielt sie personenbezogene Daten, klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, ob eine Meldung nötig ist.
Weiterlesen
- Website-Sicherheit für kleine Unternehmen: selbst prüfen und absichern
- Content Security Policy und Security-Header
- WordPress absichern: der praktische Leitfaden für Unternehmen
- Website gehackt: was tun? Die ersten Schritte
- Shopify-Shop absichern: was Sie als Händler selbst tun müssen
- Leistung: Penetrationstest mit verifizierten Befunden
Quellen
- BSI: Technische Richtlinie TR-02102-2, Verwendung von Transport Layer Security (Fassung 2026-01)
- IETF RFC 8996: Deprecating TLS 1.0 and TLS 1.1
- IETF RFC 7489: Domain-based Message Authentication, Reporting, and Conformance (DMARC)
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Art. 32
- OWASP Web Security Testing Guide: Review Old Backup and Unreferenced Files for Sensitive Information
- OWASP Web Security Testing Guide: Enumerate Infrastructure and Application Admin Interfaces
- MDN HTTP Observatory: Frequently asked questions
- MDN HTTP Observatory: Tests and scoring
- Qualys SSL Labs: SSL Server Test
- Qualys SSL Labs: SSL Server Rating Guide
- Google Transparenzbericht: Safe Browsing Site Status
- Google for Developers: Safe Browsing
- Search-Console-Hilfe: Bericht „Sicherheitsprobleme“
- Google: Richtlinien für E-Mail-Absender
- WordPress-Dokumentation: Site Health screen